Sonntag, 24. Juni 2012

Überraschungsbesuch

Letztes Wochenende, als ich erfuhr, dass meine Eltern nun in der alten Wohnung doch noch in 3 Räumen Tapeten abreißen, sowie in 3 Räumen den Boden aufnehmen müssen, schoss mir durch den Kopf,
dass ich da einfach gerne helfen würde.
Ich erkundigte mich also "durch die Blume", wie der Plan für die Woche ist, um diese Arbeiten zu erledigen, denn bis 22.06.2012 sollte alles erledigt sein, so der Vermieter.

Montags halfen die Schwiegereltern meiner Schwester beim Tapetenabreißen, beide allerdings auch schon über 70.
Dienstags wollte mein Vater dann erstmal alleine weiter machen, da er allerdings Schmerzen in der noch nicht operierten Hüfte hat und die bereits operierte Hüfte nicht so strapazieren darf, dachte ich, dass er sich doch sicher über ein paar helfende Hände freuen würde.

Mein Mann bekräftigte mich in meinem Vorhaben, welches ich ja zunächst nur im Kopf hatte und sprach aus, was ich dachte. Er war nämlich auch der Meinung, dass es doch schön wäre, wenn ich ins Sauerland fahren würde für einen Tag und meinem Vater helfen würde.

Am Montag fragte ich in der Firma nach, ob ich kurzfristig einen Tag frei nehmen könnte und bekam frei.
Ich fuhr nach Feierabend mit dem Rad zu dem Betrieb, wo mein Mann arbeitet, ließ ihm mein Rad da, holte mir das Auto, fuhr heim, packte ein paar Sachen und machte mich direkt auf den Weg ins Sauerland.
Meine Eltern ahnten nichts und auch meine Schwester weihte ich nicht ein.

In Neheim-Hüsten angekommen, überraschte ich zunächst meinen großen Neffen, da ich wusste, dass meine Eltern sicher noch nicht zu Hause sind. Dann überraschte ich meinen Schwager, der von der Arbeit heim kam, sowie meine Schwester und meinen jüngeren Neffen, die vom Arzt kamen. Sie staunten nicht schlecht, denn sie ahnten absolut nichts.
Wir aßen gemeinsam zu Abend und dann gegen 20 Uhr fuhr ich zu meinen Eltern.

Mein Vater öffnete die Tür. Er war absolut sprachlos und bekam den Mund gar nicht mehr zu. Mindestens 3-4 Minuten sagte er gar nichts. Meine Mutter telefonierte mit meiner Schwester als ich ins Wohnzimmer kam, auch sie war völlig überrascht, dass ich in der Tür stand.

Nachdem mein Vater dann seine Stimme wieder gefunden hatte, fragte er, was ich denn dort machen würde. Ich sagte, dass ich zum Arbeiten da wäre.

Sie freuten sich sehr und meine Überraschung war gelungen. Wir schauten gemeinsam das Fußballspiel und gingen dann ins Bett, bzw. ich auf das Sofa, denn ein arbeitsreicher Tag lag ja vor uns.

Am Dienstagmorgen ging es dann schon früh um 8 Uhr los. Meine Ma konnte nicht helfen, da sie durch den Umzug und den vorbereitenden Arbeiten Schmerzen im unteren Rücken hatte. Sie musste also nur dafür sorgen, dass wir mittags eine Mahlzeit bekamen.
Mein Vater und ich fuhren in die alte Wohnung und legten los. Die Schwiegereltern meiner Schwester und mein Vater hatten am Montag schon gute Vorarbeit geleistet. Wohnzimmer und Schlafzimmer waren schon von den Tapeten befreit, in der Küche waren noch ein paar Tapeten abzureißen und natürlich in allen drei Räumen noch Feinarbeiten zu machen. Klar, dass nach fast 47 Jahren in dieser Wohnung unter den Tapeten auch noch Relikte aus den Jahrzehnten waren, die etwas schwerer zu lösen waren. Das war dann meine Aufgabe. Das ging ganz schön in die Arme.
Als wir kurz nach unserer Mittagspause alle Tapeten und Tapetenreste entfernt hatten, packten wir die Müllsäcke voll und räumten das Schlafzimmer.
Hier fingen wir dann an, den alten Balatumboden, der sich dort noch befand, aufzunehmen und zu entfernen.
Da darunter Zeitungspapier von 1964 lag und der Boden nicht geklebt war, ließ er sich sehr gut entfernen. Er konnte einfach in Stücke gerissen werden und so in einen Müllbeutel verbracht werden.

Nachdem das Schlafzimmer vom Boden befreit war, kam die Küche dran. Hier rollten wir den PVC-Boden, inklusive dem darunterliegenden Balatum so gut es ging ein und lagerten die einzelnen Rollen zunächst im Schlafzimmer.

Wie schon erwähnt wohnten meine Eltern in diesem 5-Familienhaus ganz oben, 33 Stufen waren es bis oben und die wollten wir nicht die ganzen Säcke, etc. herunter schleppen. Also spielten mein Vater und ich "Knut",
wir öffneten das Schlafzimmerfenster und alles was an Müll runter musste, wurde kurzerhand aus dem Fenster geworfen. Da unten ein großer Hof ist und auch keine Autos dort standen, war dies gut möglich.

Dann packten wir alles ins Auto und fuhren damit zur Kippe. So war mein Vater dann auch den ganzen Müll direkt schon los. Ein letztes Mal fuhren wir dann noch in die alte Wohnung. Der Vermieter war schon dabei, in der Küche die alten Fliesen abzustemmen. Wofür hatte ich eigentlich alles gefegt???
Uns fiel dann noch ein, dass im alten Vorrat ja auch noch Balatum-Fliesen lagen und nahmen diese auch noch auf. Auch diese waren Gott sei Dank nicht stark verklebt und schon gar nicht mit dem damals oft verwendeten Bitumenkleber, denn das wäre möglicherweise ein Asbestproblem gewesen.
Dann war alles erledigt dort, der Restmüll im Auto verstaut und beim Vermieter die letzten Schlüssel abgegeben.
Um 16.15 Uhr ca. konnten mein Vater und ich, schweißnass gebatet, Feierabend machen.
Wir fuhren in die neue Wohnung, ich ging erstmal duschen und zog mir was luftiges an, denn bei der Arbeit ist mir doch recht warm geworden.
Gegen 17 Uhr kamen dann auch meine Schwester und mein jüngerer Neffe, der erst vor einer Woche an seinem Knie operiert worden war. Wir tranken gemeinsam Kaffee und waren froh, die Arbeit gut geschafft zu haben.

Ja, mein Vater war sehr froh, dass nun alles fertig war. Er sah sich ja schon die ganze Woche noch in der alten "Bude" arbeitend. Er hatte zwar wieder einen Plan, aber wie schon beim Umzug, wurde dieser über Bord geworfen. ;-)

Ich fuhr dann am Abend wieder heim und hatte ein gutes Gefühl. Ich konnte auf diese Weise meinen Eltern auch mal etwas zurückgeben, denn sie haben uns Kindern schließlich immer so gut es ging, alles ermöglicht.

Meine Schwester, die im gleichen Ort, wie meine Eltern wohnt, hat ja doch öfter die Gelegenheit dazu, aber weil ich ca. eineinhalb Stunden entfernt wohne, kann ich nicht immer so helfen, wie ich möchte. Mein Schwesterherz kann jetzt mit meiner Ma shoppen fahren und beim Feinschliff helfen, den die neue Wohnung noch braucht. Gardinen, Kissen, Lampen, etc. all so etwas muss Stück für Stück ja noch erneuert werden.

Am Abend fiel ich recht geschafft und müde ins Bett, aber mit einem guten Gefühl.

Am Mittwochnachmittag ging es dann aber gleich weiter, denn der Rasenschnitt bei Balduin musste auch noch aufgenommen werden und noch ein weiteres Mal gemäht werden.
Aber davon berichten wir ja hier.

Nun schau ich mal, dass ich vielleicht mal an meiner Jacke weiter stricke, damit ich davon auch mal wieder hier berichten kann.
Manchmal ist es eben so, das Anderes wichtiger ist...

Noch einen schönen Sonntag


Kommentare:

  1. Ach ja, angesichts deines Berichtes sage ich da immer gerne "das ist Leben live" :-)
    Du hast Recht, manchmal gibts im Leben wichtigeres als unsere Hobby's.
    Na, und Langeweile kommt derzeit bei dir ja eh nicht auf ;-)
    Ich wünsche dir viel Kraft und den ein oder anderen Moment der Ruhe, nur für dich!

    LG
    Willow

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  2. Liebe Anja,

    Deine Story hat mich an meine Schwiegereltern-selig erinnert, die uns immer halfen, wenn es mal wieder einen Umzug gab. Auch wir konnten ihnen viel zurückgeben. Gut hast Du gehandelt! Das werden Sie bestimmt nie vergessen und Dir immer dankbar dafür sein.

    Und am Abend hast Du nicht in den alten Zeitungsseiten geschmökert oder sie für eine ruhigere Minute zurückgelegt? Ich hätte sie nicht sofort wegwerfen können, hätte mich sicher noch an ihnen erfreut und über alte Zeiten geschmunzelt (siehe Kindermund in meinem Blog).

    Ich wünsche Dir einen guten Wochenbeginn und wieder mehr Zeit zum Stricken!
    Ulrike

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  3. Boah, bist Du fleißig!!! Danke Dir für die Bilder vom letzten Stricktreffen, ich weiß noch nicht, ob ich das nächsten Samstag schaffen werde!!!
    Wünsche Dir ein schönes Wochenende - LG Silke

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  4. Hallo Anja, lieben Dank für Deinen Kommentar :-)

    Die Freude war sicher groß, wenn ganz spontan so ein nettes Helferlein vor der Tür steht.

    Hätte ich auch nix gegen.

    Mir geht's so lala, im Augenblick bin ich zu Hause.

    Sehr, sehr liebe Grüße zu Dir
    Birgit

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Ich danke euch für euren Kommentar!